In meiner Familie bin ich völlig aus der Art geschlagen. Meine Eltern und Geschwister sind eher künstlerisch und musisch in verschieden Gebieten orientiert, mit dem jeweils dazugehörigen Chaosfaktor in unterschiedlicher Intensität. Ich dagegen war schon immer sehr ordentlich und strukturiert und wusste meine Stimmungen zu beherrschen. Mein Vater meinte nur, da schlägt wohl der Großvater durch, der sein Leben gewissenhaft als Beamter gelebt hatte. Beamter wollte ich zwar nicht werden, aber mich faszinierte die Welt der Rechtssprecherei.
Der Vater eines Schulfreundes hatte eine Anwaltskanzlei und je älter ich wurde, desto häufiger war ich dort auch zu Gast. Meinen ersten Schülerjob machte ich in dieser Kanzlei. Ich wusste, dass ich gerne Jura studieren wollte, aber es war auch klar, dass meine Eltern das nicht finanzieren konnten. Also fragte ich, ob ich eine Ausbildung zum Rechtanwaltsgehilfen in der Kanzlei machen könne. Der Vater meines Freundes hatte jedoch mein Potential schnell erkannt und schlug mir vor, mich beim Studium finanziell zu unterstützen, wenn ich mich verpflichte, danach mindestens drei Jahre in seiner Kanzlei zu arbeiten. Ich fand, das war ein fairer Deal.
Also ging ich mit meinem Freund zusammen nach Marburg, wo wir eine tolle gemeinsame Studienzeit verbrachten. Sein Vater hatte sich nur ausbedungen, dass wir jeder einen Rechtsbereich wählen, der in seiner Kanzlei noch nicht vertreten ist. Mein Freund spezialisierte sich dann als
Fachanwalt Verkehrsrecht und ich als Anwalt Versicherungsrecht. Heute führen wir die Kanzlei gemeinsam, nachdem sich sein Vater als Rechtsanwalt für Familienrecht zur Ruhe gesetzt hat und ich habe diesen Part als Rechtsanwalt für Familienrecht mit übernommen, da dies eine Thematik ist, die mir schon immer am Herzen lag.